«Benvenuti and Bye bye» – Fremde und Fremdes in Kandersteg
Frauen und Männer rund um den Tunnelbau in Kandersteg
Der Bau des Lötschbergtunnels zwischen Kandersteg und Goppenstein setzt 1906 ein und dauert bis 1913. Er bringt Fremde nach Kandersteg – zum einen die zahlreichen Arbeiter, Frauen und Kinder, die in den Tunneldörfern leben, zum anderen vermehrt Touristinnen und Touristen sowie saisonale Angestellte.

Mit dem Tunnel verändert sich das Leben in der Berggemeinde. Provisorische Baracken-viertel für die Mineursfamilien, neue Hotel-quartiere und Gewerbebetriebe entstehen. Die Bevölkerung wächst. Kandersteg löst sich von Kandergrund und wird zur eigenständigen Gemeinde.

Die Einheimischen tun sich schwer mit den fast exotisch scheinenden Südländern, die ihre Arbeiterbaracken eigens herantransportiert haben. Sie schätzen wohl das Neue, das diese Fremden brachten: Zitrusfrüchte, Teigwaren, Tomaten und Handwerksgattungen wie Schustereien oder Frisiersalons bereichern fortan den Speiseplan und das Erwerbsleben von Kandersteg.

Es gibt auch willkommene Fremde: Die Reisenden. In jenen Jahren entdecken immer mehr Touristinnen und Touristen die Alpen als spannende Reiseetappe. So entstehen auf der Schwelle zum 20. Jahrhundert mehr als ein Dutzend Hotels und zahlreiche Gastbetriebe in Kandersteg. Sie bringen nicht nur eine vornehme Abwechslung, sondern vor allem auch gutes Geld in das Bergdorf.

Das internationale Kandersteg bietet zahlreichen Frauen neue Verdienstmöglichkeiten, sei es als Angestellte in einem Hotel, Händlerinnen, Hebammen oder Ladenbesitzerinnen.

Die Tunnelarbeiter haben Kandersteg längst wieder verlassen. Die Touristen kommen und gehen – der Ferienort Kandersteg lebt noch heute mit und von den Fremden auf Dauer.

Das Ausstellungsprojekt Cantina Transalpina lädt auf dem Bahnhof Kandersteg Einheimische und Durch-reisende ein, auf Sitzbänken Platz zu nehmen, kurz inne zu halten und in vergangene Zeiten einzutauchen. Von Mitte Juni bis September 2007 heisst es «Benvenuti and Bye bye».


Ein Kulturprojekt des Vereins Tunnelbau & Gender unterstützt durch:
Pro Helvetia / Verkehrshaus der Schweiz / Ernst Göhner Stiftung / Gemeinde Brig-Glis / Kulturrat des Kantons Wallis / Loterie Romande / Gemeinde Göschenen / Korporation Uri / Kanton Uri / 125 Jahre Gotthardbahn Jubiläum / SPI Schmidhalter & Pfammatter Ingenieure AG / Walliser Kantonalbank Visp